Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

Pfarrkirche Eibingen

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Hildegard-Medizin

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1970 veröffentlichte der Autor und Arzt Gottfried Hertzka ein Buch mit dem Titel „So heilt Gott. Die Medizin der heiligen Hildegard von Bingen als neues Naturheilverfahren“ und begründete damit die so genannte „Hildegard-Medizin“. Als Quellen seiner Erkenntnisse nennt Hertzka die Hildegard zugeschriebenen Werke Causae et Curae und Physica. Bis heute sind unzählige Bücher zur „Hildegard-Medizin“ erschienen, die sich mit Themen wie Pflanzenheilkunde, Ernährung, Bäder, Fasten, Wickel, Schröpfen oder Edelstein-Therapie befassen. Durch die Berufung auf die Rupertsberger Prophetin, die ihr Wissen nach Hertzka aus einer „Art himmlischen Fernsehapparat“ empfangen habe, wird diesen Büchern sozusagen ein göttliches Gütesiegel verliehen.

Die Kritik an dieser Heilmethode bezieht sich in der Regel nicht in erster Linie auf ihre Wirksamkeit, sondern auf den sehr freien Umgang mit den historischen Quellen, aus denen die „Hildegard-Medizin“ ihre göttliche (und damit nicht weiter zu hinterfragende) Autorität beziehen soll. Problematisch ist besonders, dass Autoren wie Hertzka oder Wighard Strehlow angeben, die Rezepte und Methoden direkt aus Hildegards Schriften entnommen zu haben, obwohl ein Großteil auf eigenen Erfahrungen aus ihrer praktischen Tätigkeit beruht, die unter Hildegards Namen beschrieben werden. Um die überlieferten Texte an die heutige Zeit anzupassen, wurde manches weggelassen und anderes ergänzt, denn genaue Mengenangaben fehlen häufig.

Inzwischen werden unter dem Namen Hildegards die unterschiedlichsten Heil- und Gesundheitsprodukte angeboten – von Dachsfellschlappen bis zur Schrundensalbe. So ist die „Hildegard-Medizin“ und ihre Vermarktung ein Teil des aktuellen Trends zur Alternativmedizin, die jedoch mit Hildegard von Bingen außer einigen oberflächlichen Bezügen oft nicht mehr gemein hat.