Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

Kloster Eibingen

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Hildegard-Kult

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Obwohl das Heiligsprechungsverfahren erfolglos blieb, riss die Verehrung Hildegards doch nie ab. Im Kloster Rupertsberg feierte man jährlich am Todestag der Gründerin das Hildegardisfest, zu dem viele Menschen aus der Umgebung pilgerten. Neben den Klöstern in Eibingen und auf dem Rupertsberg existierte auch in befreundeten Klöstern wie Villers, Gembloux oder St. Eucharius/St. Martin in Trier eine liturgische Verehrung Hildegards.

Auf einem kostbaren Antependium, einem Altartuch, aus roter Seide, das vermutlich um 1230 auf dem Rupertsberg entstand, ist sie durch einen Nimbus als Heilige ausgezeichnet. Auch im nahe gelegenen Kloster Eberbach im Rheingau hegte man keinen Zweifel an ihrer Heiligkeit, das belegt eine viel gelesene Schrift des damaligen Priors Gebeno, die zwischen 1220 und 1224 entstand: Im Pentachronon sive speculum futurorum temporum bezeichnete er sie als „heilige Hildegard“.

Äußerst bedeutend für ihre Verehrung war die Aufnahme ihres Namens in die Hagenauer Handschrift des Martyrologiums Usuardi (1412) und in die Allerheiligen-Litanei der Mainzer Agende (1480), die erste belegte Anrufung Hildegards in einem Mainzer liturgischen Text. 1584 wurde sie ins Martyrologium Romanum aufgenommen, einem Verzeichnis der Märtyrer und Heiligen aller Länder, was in der Bedeutung einer Heiligsprechung nahe kam.

Doch von einer wirklichen Volksverehrung ist weiterhin nur an ihren Wirkungsstätten zu sprechen, was der Mangel an liturgischen Texten bezeugt. Hier entstanden im 17. und 18. Jahrhundert Bau- und Kunstwerke, wie die 1683 fertiggestellte Eibinger Klosterkirche, deren Patrone Rupert und Hildegard waren, sowie Gemälde, Statuen und Altarbilder, die sie und Rupert abbildeten.

Nachdem der Konvent in Eibingen Anfang des 19. Jahrhundert aufgelöst worden war, erlosch die Verehrung der heiligen Hildegard. Es ist das Verdienst der Pfarrer Ludwig Schneider und Adam Wagner aus Eibingen und Bingen, dass es um die Mitte desselben Jahrhunderts ausgehend von der ehemaligen Klosterkirche in Eibingen und der Rochuskapelle in Bingen zu einem erneuten Aufleben der Verehrung kam. In der Gründung der Abtei St. Hildegard oberhalb Rüdesheims im Jahr 1904 gipfelte die wiederentdeckte Verehrung Hildegards von Bingen. Diese ist heute lebendiger denn je. Davon zeugen die vielen Pilger und Besucher, die sich jährlich am Hildegardisfest beteiligen, die Kirchengemeinden von Bingerbrück, Bingen, Eibingen und die Abtei St. Hildegard, die Hildegards Botschaft erfahrbar machen, ebenso wie das Hildegard-Forum der Kreuzschwestern auf dem Rochusberg, das sich dies zum Ziel gesetzt hat.

Der einst lokale Kult reicht inzwischen aber weit über den Binger Raum hinaus: Überall existieren Kirchen, Klöster, soziale Einrichtungen und Schulen, die Hildegards Namen tragen und es spielt keine Rolle, dass Hildegard keine „offizielle“ Heilige ist.