Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

Klosterruine Disibodenberg

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Johannes Trithemius

Johannes Trithemius

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Auch nach dem erfolglos gebliebenen Versuch einer förmlichen Heiligsprechung zwischen 1227 und 1243 und der Zusammenstellung einiger ausgesuchter Texte durch Gebeno von Eberbach um 1220 bezogen sich mittelalterliche Autoren immer wieder auf Hildegards Schriften bzw. auf mehr oder weniger veränderte Abschriften von diesen. Die größte Steigerung ihrer Popularität verdankte Hildegard jedoch Johannes Trithemius (1462-1516), der von 1483 bis 1506 als Abt dem Sponheimer Kloster vorstand, das einst durch den Bruder ihrer Lehrmeisterin Jutta von Sponheim gegründet worden war. Schon allein aufgrund der räumlichen Nähe zwischen den Klöstern Sponheim und Rupertsberg musste er immer wieder mit Hildegard und ihrem Wirken in Berührung gekommen sein und entwickelte bald ein reges Interesse an ihr. Seine Verehrung zeigt sich in Nennungen Hildegards in seinen chronistischen und annalistischen Werken (Sponheimer und Hirsauer Chronik, Hirsauer Annalen) und von ihren Schriften in seinen literaturhistorischen Büchern, in der Anfertigung von Abschriften ihrer Werke sowie in der von ihm begleiteten und geförderten Erhebung ihrer Gebeine 1498, bei der er sich sogar eine Armreliquie Hildegards erbat.

Trotz der häufigen Vermischung von realen und fiktionalen Details aus Hildegards Leben, die die Auswertung seiner Texte für Historiker äußerst schwierig machen, besaß Trithemius umfangreiche Kenntnis über Werk und Person Hildegards. Verteilt auf verschiedene Schriften lieferte er Angaben zu ihrer Herkunft, der Gründung des Rupertsberger Klosters sowie zu vielen bedeutenden Ereignissen ihres Lebens ebenso wie Titellisten ihrer Werke, die er auf dem Rupertsberg studiert und mit Kurzcharakterisierungen der Inhalte versehen hatte. Es war sein Verdienst, dass die Bekanntheit Hildegards an der Wende vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit auch außerhalb Bingens und seiner nahen Umgebung wieder zunahm. Mit seinen Veränderungen und Hinzufügungen zu den historischen Ereignissen wollte er sowohl die Verehrungswürdigkeit (auctoritas) Hildegards wie auch die Beziehungen zwischen den beiden Klöstern in Bingen und Sponheim bekräftigen, um sein Kloster vom Ruhm der Rupertsberger Äbtissin profitieren zu lassen. So berichtet er beispielsweise von einem Besuch Bernhards von Clairvaux 1150 auf dem Rupertsberg, bei dem er ihre Visionen in Anwesenheit des Grafen Meginhards von Sponheim sowie den Äbten der Klöster Sponheim und Disibodenberg anerkannt haben soll. Ein solcher Besuch kann aber nie stattgefunden haben, da sich Bernhard 1147 das letzte Mal am Rhein aufhielt und Hildegard zu diesem Zeitpunkt noch auf dem Disibodenberg weilte. Der Grund für diese „dichterische Freiheit“ kann nur in einer angestrebten Aufwertung von Hildegards Autorität durch die Anerkennung einer der wichtigsten Personen ihrer Zeit gesehen werden. Wie im 13. Jahrhundert Gebeno von Eberbach war Trithemius für seine Zeit der wichtigste „Promotor“ Hildegards von Bingen.