Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

Historisches Museum am Strom Hildegard von Bingen

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Göttlicher Auftrag

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Wie später so oft, wenn sie sich der göttlichen Stimme widersetzte, wurde sie zunächst solange aufs Krankenlager gezwungen, bis sie die ersten Zeilen des Scivias zu schreiben begann. In dieser schwierigen Zeit stand ihr ein Mönch zur Seite, dem sie ihre Zweifel und Unsicherheiten anvertrauen konnte. Es handelte sich um Volmar, der ihren Lebensweg bis zu seinem Tod 1173 begleiten sollte und ihr engster Vertrauter und Lehrer war:

„Diese Dinge habe ich einem Mönch, meinem Lehrer, anvertraut, (…). Voll Verwunderung trug er mir auf, sie im Verborgenen aufzuschreiben, damit er sähe, was und woher sie seien. Als er aber erkannte, dass sie von Gott seien, hat er dies seinem Abt anvertraut und von da an mit großer Sorgfalt mit mir daran gearbeitet.“.

Wie es auf einem der bekanntesten Bilder aus dem heute verschollenen Rupertsberger Scivias-Codex dargestellt ist, hielt Hildegard ihre Visionen auf Wachstäfelchen fest, während Volmar das Geschriebene in einer grammatisch korrekten Form auf Pergament übertrug. Auch die Nonne Richardis von Stade, die im Scivias als „ein wohlerzogenes adliges Mädchen“ beschrieben wird, unterstützte Hildegard als Sekretärin und enge Vertraute. Die Seherin Hildegard war nun im Begriff eine Prophetin zu werden, die es sich zur Aufgabe machen sollte, Gottes Worte in der Welt zu verbreiten.

1141 machte Hildegard eine Erfahrung, die ihr bisheriges Leben grundlegend veränderte:

„Und es geschah in meinem 43. Lebensjahr: Voller Furcht und zittern vor gespannter Aufmerksamkeit, blickte ich gebannt auf ein himmlisches Gesicht. Da sah ich plötzlich einen überhellen Glanz, aus dem mir eine Stimme vom Himmel zurief: ‚Du hinfälliger Mensch, du Asche, du Fäulnis von Fäulnis, sage und schreibe nieder, was du siehst und hörst. (…) Schreibe es nicht nach eigenem Gutdünken oder dem eines anderen Menschen, sondern wie es dem Willen dessen entspricht, der alles weiß, alles sieht und alles in der Verborgenheit seiner Geheimnisse anordnet.’ (…) Aus dem offenen Himmel fuhr blitzend ein feuriges Licht hernieder. (…) Und plötzlich erhielt ich Einsicht in die Schriftauslegung, in den Psalter, die Evangelien und die übrigen katholischen Bücher des Alten und des Neuen Testaments.“