Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

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Ein Stein gegen jede Krankheit

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Ein Stein gegen jede Krankheit

Herkunft und Heilkraft von Edelsteinen bei Hildegard von Bingen

Im vierten Buch der „Physica“ befasst sich Hildegard mit den Heilkräften von Edelsteinen. Hildegard berichtet, dass Gott seinen ersten Engel, Luzifer, mit Edelsteinen geschmückt hatte, so dass der diese im Spiegel der Gottheit glänzen sah. “So empfing er das Wissen und daran erkannte er, dass Gott viel Wunderbares schaffen wollte. Weil der Glanz der Steine an ihm wie in Gott widerstrahlte, wurde er überheblich und glaubte, dass er genau soviel oder sogar mehr als Gott sei. Deshalb wurde seine Größe ausgelöscht.“ Gott jedenfalls ließ demnach „die Herrlichkeit und die Kraft der Steine nicht untergehen, sondern wollte, dass sie zu seiner Ehre als Segen und als Heilmittel auf der Erde bleiben sollten.“

Entstanden sind die Edelsteine Hildegard zufolge aus dem Zusammenspiel von Feuer und Wasser. Dies sei eben dort im Osten geschehen, wo es besonders heiß sei und „die Flüsse immer wallen“. Wenn deren Wasser die glühend heißen Berge berühre, würden diese Schaum auswerfen, der dann in wenigen Tagen zu Stein erstarre. Mit Überschwemmungen trockneten diese aus und erhielten je nach Temperatur unterschiedliche Farben und Kräfte. „Durch das Trocknen werden sie zu Edelsteinen erhärtet und fallen wie die Schuppen der Fische von ihren ursprünglichen Plätzen in den Sand.“ Die Flüsse seien danach für die Verteilung verantwortlich, so Hildegard in der Vorrede des Buches.

Entstanden zu unterschiedlichen Tageszeiten, tragen Edelsteine eine spezifische Wärme in sich, so dass die Wirkung unterschiedlich ist. Angewendet werden können Heilsteine und Minerale auf zwei verschiedene Arten: Innerlich, durch das Einlegen in Flüssigkeit, die später getrunken wird, oder das Auflegen auf schmerzende oder erkrankte Körperteile. Informationen zu den 25 Steinen bietet Hildegard aus einer ihrer „Schauen“, ihrer Visionen heraus und quasi als lexikalisch verfasste Steckbriefe an. Diamant, Smaragd, Saphir, Rubin (Karfunkel), Achat, Amethyst, Topas, Onyx (Achat), Hyazinth (Zirkon), Sardonyx, Jaspis (Heliotrop), Chrysolith (Olivin, Peridot), Chalcedon, Chrysopras, Magnetit, Ligur (Bernstein), Prasem, Kristall, Perlen, Flussperlen, Alabaster, Karneol, Kalk, Ziegelstein und die von ihr so genannten „übrigen Steine“.

Warum Edelsteine als Heilmittel dienen? „Jeder Stein enthält Hitze und Feuchtigkeit“, schreibt Hildegard und sagt weiter, „vor den Edelsteinen aber schreckt der Teufel zurück, er hasst und verachtet sie, erinnern sie ihn doch daran, dass ihr Glanz schon erschien, bevor er aus seiner von Gott verliehenen Pracht herabstürzte, da einige dieser Edelsteine in dem Feuer entstanden, in dem er gestraft wurde. Denn durch den Willen Gottes wurde er durch Feuer geschlagen und stürzte in Feuer, wie er auch durch den ersten Hauch des Heiligen Geistes besiegt wird, wenn ihm die Menschen durch des Heiligen Geistes ersten Anhauch entrissen werden.“ Werke des Teufels und der Unzucht werden ebenso wenig unterstützt wie Liebestränke, Verwünschungen oder negative Zustände. Vielmehr gibt es für Hildegard gegen jede Krankheit einen ganz bestimmten Edelstein. Die kosmischen und göttlichen Kräfte der Seele können laut Hildegard durch die heilende und schützende Energie der Edelsteine aktiviert werden, völlig frei aller Nebenwirkungen.

Glaubt man Hildegard, erreichen Steine Bereiche, wo herkömmliche Arzneimittel nicht wirken, aber viele Krankheiten entstehen: in Geist und Seele. Die Energie der Steine aktiviert die göttlichen und kosmischen Kräfte der Seele. Wichtig ist dabei das Zusammenwirken mit Gebeten, damit Edelsteine negative Einflüsse des Lebens abwehren. Der ganzheitliche Ansatz Hildegards kommt also auch bei diesem Thema zur Anwendung.

Zwar erscheinen Hildegards Behandlungsvorschläge heute zumindest seltsam, doch es gibt es auch deutliche Parallelen zum modernen Stand der Wissenschaft. Hildegards besonderer Verdienst liegt darin, der Forschung eine Ausgangsposition verliehen zu haben. Beispiele: Der Diamant wird bei Hildegard im Mund gelutscht, um mit seiner klärenden Kraft Lügen zu verhindern und vor cholerischen Ausbrüchen zu schützen. Behandelt werden sollen mit seinem Wasser auch Schlaganfälle, Gicht und Gelbsucht. Amethyste sollen gegen Schwellungen, Hautflecken und Insektenstiche eingesetzt werden. Dazu wird der Halbedelstein mit Speichel angefeuchtet und auf die betreffenden Körperstellen gelegt.

Der Bernstein, den Hildegard Ligur nennt, soll vorsichtig eingesetzt gegen Magenschmerzen und gegen Beschwerden beim Wasserlassen helfen. Eingesetzt wird er auch heute noch gegen Magenbeschwerden. Ob aber der Topas tatsächlich anfängt zu schwitzen, wenn er in der Nähe von giftigem Essen liegt? Bei Hildegard wurde dieser Halbedelstein in Wein eingelegt und gegen Fieber und Augenleiden eingesetzt. Heute hat man seine verdauungsfördernde und stoffwechselanregende Wirkung erkannt.

Text: Jochen Werner Foto: Naheland-Touristik

Im Binger Museum am Strom und im Rupertsberger Hildegard-Gewölbe sind Edelsteine ausgestellt, denen Hildegard Heilkräfte zumaß.

Allgemeine Informationen und Tippsrund um die Edelsteine im Hildegard-Land präsentiert eine Edelstein-Broschüre der Naheland-Touristik.