Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

Rochuskapelle

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Frauenbildung

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Mit ihren Bibliotheken waren die Klöster die wichtigsten Bildungszentren des Mittelalters und ihre Zahl stieg mit den vielen Neugründungen des 12. Jahrhunderts stark an. An den oft zugehörigen Klosterschulen erhielten auch Kinder, die nicht für ein Klosterleben vorgesehen waren, Unterricht im Lesen (seltener im Schreiben); die Förderung der musikalischen Fähigkeiten und die Kenntnis des Psalters waren ebenfalls Teil der Ausbildung. Kinder aus bäuerlichen Schichten wurden von den Erwachsenen mit Märchen, Sagen, Liedern und den Grundzügen des christlichen Glaubens vertraut gemacht, während die Töchter adliger Eltern häufig von Hauslehrern unterrichtet wurden. Berühmt ist in diesem Zusammenhang die Geschichte der späteren Nonne und Äbtissin von Le Paraclet, Heloïse, deren Hauslehrer der Philosoph und Theologe Abaelard war, mit dem sie eine Liebesbeziehung einging. Die sittliche und religiöse Erziehung wurde oft von den Müttern übernommen, was auch bei Jutta von Sponheim der Fall war.

Teil der Ausbildung war zudem die höfische Sitte, Literatur, Tanz, Musik sowie die Herstellung von anspruchsvollen Textilarbeiten. In den Klöstern wurde den zukünftigen Nonnen Lesen, Schreiben, Grundkenntnisse im Lateinischen sowie das Singen der Psalmen gelehrt und die Heilige Schrift nähergebracht. Hildegard von Bingen gab sich vermutlich mit diesem Wissen nicht zufrieden, auch wenn sie sich selbst immer wieder als indocta, als Ungelehrte, bezeichnete. Als Möglichkeit sich weiterzubilden standen ihr das Gespräch mit den Mönchen, allen voran sicher Volmar, die Klosterbibliothek sowie der mündliche und schriftliche Kontakt mit Menschen außerhalb des Klosters offen.

Ab der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts gewannen die städtischen Kathedralschulen, an denen berühmte Magister vor immer mehr Schülern dozierten, zunehmend an Bedeutung, wobei Deutschland hierbei weit hinter Frankreich und Italien zurückblieb. Jene Entwicklung mündete schließlich in der Gründung der ersten Universitäten in Bologna und Paris. Diese Bildungsstätten blieben für Frauen allerdings verschlossen, genau wie eine systematische Ausbildung in den Sieben Freien Künsten. Dies war auch der Grund, warum Hildegard zeit ihres Lebens auf Sekretäre angewiesen war, die ihre Schriften im Hinblick auf Grammatik und Stil verbesserten. Für Frauen waren die Bildungsmöglichkeiten also wesentlich beschränkter als für Männer und in der Regel nur der adligen Oberschicht zugänglich.